5G Broadcast basiert auf dem 3GPP Further evolved Multimedia Broadcast Multicast Service-Rundfunkstandard (kurz FeMBMS). Dieser ermöglicht eine Verbreitung von linearen Medieninhalten über Funkzellen mit Radien bis zu 60 Kilometern. Über einen High-Tower-High-Power-Sender wird ein einziger Datenstrom ausgestrahlt. Alle mobilen Endgeräte, die sich im Versorgungsgebiet dieses Senders befinden, können das über diesen Datenstrom verbreitete Programm sehen. So gibt es beispielsweise auch bei Live-Events, wo gleichzeitig viele Zugriffe erfolgen, keinen Kapazitätsverlust für die Nutzer/innen.

Der Übertragungsstandard wurde von 3GPP entwickelt. 3GPP ist ein Überbegriff für eine Reihe von Normungsorganisationen, die Protokolle für mobile Telekommunikation erarbeiten und deren Standards als Releases strukturiert sind. FeMBMS wurde erstmals mit Release 14 (Q2/2017) eingeführt, das spezielle Funktionen für Sendeanstalten (Enhanced TV (EnTV)) enthält. FeMBMS wurde dann mit Release 16 (Q3/2020) weiter verbessert und als "LTE-basierter terrestrischer 5G-Rundfunk", auch als "5G Broadcast" bezeichnet, veröffentlicht. 

5G Broadcast Sender und Empfänger Modell
Bei 5G Broadcast versorgt ein Sender eine unbegrenzte Anzahl an Nutzerinnen und Nutzern. SIM-Karte und Internet werden dabei nicht benötigt.

Wichtige Anforderungen der Rundfunkbetreiber

3GPP definiert zudem, welche Anforderungen der Rundfunkbetreiber bestehen, um die Verbreitung von linearen und non-linearen Medienservices via 5G Broadcast sicherzustellen. Dazu zählen:

  • Universeller Zugang: Geografische Verfügbarkeit (z.B. national, regional, lokal) entsprechend den regulatorischen Anforderungen.
  • Free-to-Air (FTA)-Zugang: Nutzer/innen können Inhalte konsumieren, ohne sich beim Diensteanbieter oder Netzbetreiber anmelden zu müssen.
  • Defined Quality of Service (QoS): Die Leistungsqualität sind durch Service Level Agreements von den Sendern selbst zu definieren, z.B. Verfügbarkeit der Netzübertragungen, Robustheit, Betriebszeit, Latenz und Zuverlässigkeit.
  • Kein Gatekeeping: Bereitstellung von PSM-Inhalten für die Öffentlichkeit, ohne das Dienstangebot übermäßig einzuschränken, z.B. durch Blockieren oder Filtern von Inhalten, Beschränkung des Zugangs zu Diensten oder zur Netzinfrastruktur.
  • Skalierbarkeit: Die einzuhaltende Leistungsqualität (Defined Quality of Service) muss für alle Benutzer/innen unabhängig von der Größe des Publikums sein.
  • Zugänglichkeit: Gewährleistung der Unterstützung für Menschen mit Behinderungen (z.B. Untertitel, Audiobeschreibung und Signierung).
  • Notfallsituationen: Fähigkeit, ein Publikum in Katastrophen- und Krisenzeiten und in Ausnahmesituationen zu erreichen.
  • Kosten: Die landesweite Verbreitung von Inhalten und der universelle Zugang sollten sowohl für PSM (einschließlich Lizenzgebühren für Inhalte) als auch für Verbraucher erschwinglich sein.

Schlüsselfunktionen von 5G Broadcast

Das Ziel der 5G Broadcast-Übertragung ist es, Rundfunkanstalten die Möglichkeit zu geben, lineares Fernsehen für mobile Geräte sowie für herkömmliche Fernsehgeräte mit einem einzigen Chipsatz bereitzustellen. Zudem bietet der Übertragungsstandard auch die Möglichkeit, non-lineare Inhalte zu liefern, insofern eine Restbandbreitenkapazität verfügbar ist. Die Konsumentinnen und Konsumenten könnten dann nahtlos von Breitband auf Broadcast umschalten – dies erfordert allerdings Änderungen auf regulatorischer Seite sowie weitere Entwicklungen.

SIM-Karten für Betrieb nicht erforderlich

Mit 5G Broadcast ist es möglich, für die Mediendistribution (z.B. HLS, DASH) die gleichen Medienformate zu verwenden wie für die Bereitstellung von Inhalten über das Internet (OTT). Dies ermöglicht einen einfachen Weg für den nahtlosen Wechsel zwischen den Distributionskanälen (z.B. 5G Broadcast und 5G Broadband) in Abhängigkeit von den Parametern "Quality of Service" und "Quality of Experience" und führt zu einem jederzeit optimalen Medienerlebnis für Konsumentinnen und Konsumenten.

Darüber hinaus können die linearen Inhalte, die mit 5G Broadcast verbreitet werden, leicht durch zusätzliche Inhalte personalisiert werden, die über das Internet verbreitet und auf den mobilen Endgeräten der Nutzerinnen und Nutzer zusammengeführt werden.

News zu 5G-Broadcast

Gruppenbild CEO Panel 5G World

CEO-Panel: Möglichkeiten und Visionen der Medienverbreitung mit 5G

04.09.2020
Dieses Jahr fand die 5G World als Online Event statt. In einem CEO-Panel diskutierten Michael Wagenhofer (ORS), Karim Taga (Arthur D. Little), David Lynn (ViacomCBS) Ronan Dunne (Verizon) über Möglichkeiten der Medienverbreitung mit 5G & 5G Broadcast.
Start der mobilen 5G-Broadcast-Messungen der ORS in Wien am Stephansplatz

Mobile Messungen für 5G Broadcast gestartet

16.07.2020
Die ORS arbeitet seit November 2019 intensiv am neuen Übertragungsstandard 5G Broadcast, der als wichtige Weiterentwicklung des digitalen Antennenfernsehens gilt. Mitte Juli starteten erste mobile Messungen.

5G-Broadcast Test startet Ende März 2020

17.03.2020
Michael Wagenhofer (ORS CEO) gibt im EBU tech-i Magazin einen Ausblick auf den Ende März 2020 startenden 5G Broadcast Testbetrieb in Wien.

VIDEO & e-Booklet: Die Zukunft des Rundfunks im 5G Zeitalter

03.01.2020
5G ist die Zukunft. Doch welche Rolle spielt dabei der Rundfunk, dem mit 5G Broadcast ein eigener, weltweit einheitlicher Standard zur Verfügung steht?
Foto Sender Kahlenberg_2

Testbetrieb für 5G Antennenfernsehen genehmigt

28.11.2019
Die Medienbehörde KommAustria genehmigt einen Pilotversuch der ORS für digitalen Rundfunk auf Basis des Mobilfunk-Übertragungsstandards 5G.