DVB-T

Digitales Antennenfernsehen in Österreich

Die Umsetzung der EU-Strategie, analoges Fernsehen bis 2012 durch digitale Technik abzulösen, wurde in Österreich von 2006 bis 2011 realisiert.

Im Februar 2006 erteilte die österreichische Kommunikationsbehörde KommAustria der ORS die entsprechende Zulassung zum Betrieb einer bundesweiten, terrestrischen Multiplex-Plattform (MUX A und MUX B).

26.10.2006: Start von digitalem Antennenfernsehen in Österreich

Der Start des digitalen Antennenfernsehens erfolgte am 26. Oktober 2006, zunächst im Simulcast-Verfahren (parallele Ausstrahlung von analogem und digitalem TV).

Begleitet wurde die DVB-T-Einführung von einer umfassenden Informationskampagne: Über zwei Millionen Fernsehhaushalte des Landes wurden schriftlich über die bevorstehende Neuerung sowie die technischen Empfangs-Voraussetzungen in Kenntnis gesetzt, daneben wiesen Print- und Online-Werbung sowie TV-Spots auf den Beginn der digitalen Ära hin.

Mit der Plattform www.dvb-t.at wurde ein Serviceportal ins Leben gerufen, das während der gesamten Umstellungsphase detailliert über die Zeitpläne, die betroffenen Empfangsgebiete aber auch Aspekte wie Empfangsgeräte und qualifizierte Ansprechpartner in der Umgebung informierte.   

Zertifizierte Endgeräte waren im Handel rechtzeitig verfügbar

Durch die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Lieferanten und Herstellern konnte die ORS bereits im Vorfeld sicherstellen, dass zum Zeitpunkt des Roll-outs DVB-T-Empfangsgeräte in ausreichender Anzahl zur Verfügung standen.

Hinsichtlich deren einwandfreien Funktionsweise initiierte die ORS gemeinsam mit TÜV Austria ein Testfahren, bei dem die DVB-T-Settop-Boxen nach positiv absolvierter Überprüfung mit einem entsprechenden Prüfzeichen versehen wurden. Dadurch konnte den Konsumenten die Auswahl eines geeigneten Empfangsgerätes wesentlich erleichtert werden. Zugleich war damit auch für den Handel, der im Zuge der Umstellung eine tragende Rolle übernahm, sichergestellt, dass die mit dem „DVB-T-Logo“ gekennzeichneten Geräte ohne Folgeprobleme oder größeren Aftersales-Aufwand vertrieben werden können.

Über den Handel wurde eine weitere Begleitmaßnahme abgewickelt: Nachdem die Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR für die DVB-T-Umstellung Fördermittel aus dem Digitalisierungsfonds bereitgestellt hatte, erhielten Frühumsteiger und gebührenbefreite Haushalte einen finanziellen Zuschuss von 40 Euro beim Kauf bestimmter DVB-T-Empfangsgeräte.

05.03.2007: Erster Ballungsraum ist vollständig digitalisiert

Als am 5. März 2007 mit der Sendeanlage Pfänder der erste Ballungsraum – Bregenz und Umgebung – vollständig auf ausschließlich digitales Antennenfernsehen umgerüstet wurde, verlief dieser Schritt äußerst reibungslos.

Spätestens mit dem Einblenden von Laufbändern, die in den letzten verbliebenen Wochen auf den bevorstehenden Umstellungstermin hingewiesen hatten, konnte die Bevölkerung lückenlos erreicht und vorbereitet werden, sodass die endgültige Abschaltung des analogen Signals gerade einmal für eine Handvoll schwarzer Bildschirme sorgte.  Mit diesem nun erfolgreich bestätigten Konzept wurden in den folgenden Monaten vom Westen Richtung Osten die Landeshauptstädte nach und nach auf die digitale Terrestrik umgerüstet. Den Höhepunkt dieser ersten großen Welle bildeten Eisenstadt, St. Pölten und die Hauptstadt Wien am 22. Oktober 2007. Somit konnte die ORS binnen eines Jahres einen DVB-T-Versorgungsgrad von rund 80 Prozent herstellen.

Mehr Programmvielfalt für digitale Antennenhaushalte

22. Oktober 2007 war nicht nur der vorläufige Schlusspunkt, sondern zugleich auch ein Anfang:

Bis dahin befanden sich lediglich die drei bundesweit ausgestrahlten Programme ORF eins, ORF 2 und ATV im DVB-T-Senderbouquet. Mit dem Start der zweiten, regionalen Multiplex-Plattform MUX B verdoppelte sich das DVB-T-Angebot, hinzu kamen ORF SPORT PLUS, 3Sat und PULS 4. Im September 2009 wurde das Programmangebot via MUX B um einen weiteren Sender, ServusTV, erweitert. Seit 26. Oktober ist ORF III über DVB-T (MUX B) zu empfangen.

Während der Großteil der österreichischen Bevölkerung Ende 2007 den DVB-T-Umstieg bereits hinter sich hatte, lag der aufwändigste Teil noch vor der ORS: Bedingt durch Österreichs Topographie sind für die flächendeckende Rundfunk-Versorgung sehr viele Sendeanlagen notwendig, die sich auf insgesamt knapp 450 Standorte der ORS summieren. Sämtliche Mittel-, Klein- und Kleinst-Anlagen ebenfalls auf den digitalen Fernsehstandard umzurüsten, bedeutete die eigentliche Herausforderung für das Team der ORS.

07.06.2011: Österreich ist digital

Am 7. Juni 2011 war der analoge Turn-Off in Österreich schließlich vollbracht. Mit der Umrüstung der letzten noch analog versorgten Haushalte in der Region Mariazell und Mürztal schaffte man die Digitalisierung des terrestrischen Rundfunks nicht nur fristgerecht, sondern ebenso mustergültig.

Insgesamt 320 Sendeanlagen wurden von der ORS auf DVB-T MUX A umgestellt, 27 Sendeanlagen übertragen zusätzlich das MUX B-Senderbouquet. Durch das Ausschöpfen des technischen Potenzials kann den österreichischen Haushalten heute eine größere Programmvielfalt als im „analogen Zeitalter” geboten werden, und trotz einer deutlich geringeren Anzahl an Sendeanlagen steht der terrestrische Rundfunk heute mehr Haushalten denn je zur Verfügung: Über drei Millionen oder 97,5 Prozent der österreichischen TV-Haushalte haben die Möglichkeit, DVB-T zu empfangen.

ORS sorgt für einwandfreies TV-Erlebnis

Schon aus dem Selbstverständnis der ORS heraus ist auch mit der vollständigen terrestrischen Digitalisierung Österreichs das Projekt DVB-T nicht an sein Ende gelangt.

Als Servicedienstleister verantwortet die ORS weiterhin die einwandfreie Funktion des terrestrischen Rundfunknetzes, die Wartung und  Optimierung der Sendeanlagen sowie nicht zuletzt die Implementierung technischer Weiterentwicklungen. Beispielsweise haben die Anpassung von Modulationsparametern und neue Multiplextechnologien zu einem kontinuierlichen Bitraten-Gewinn geführt, der das  MUX B-Programmbouquet auf insgesamt fünf Sender anwachsen lässt – eine deutliche Steigerung gegenüber den ursprünglich drei Programmen beim Start des Rollouts. Auf diese Weise profitieren TV-Konsumenten wie Programmanbieter und Rundfunkveranstalter vom umfassenden Know-how der ORS.